Teaching

Architektonische Feldforschung. Orte experimentell analysieren

WS 2021/2022 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

Architektur ist eine ortsgebundene Gestaltungsdisziplin. Ihre Umweltauswirkungen bilden ein Netz materieller Bedingungen, das unter anderem Gebiete, Bewohner, verschiedene Spezies und Ressourcen sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene miteinander verbindet. Dies zeigt die Dringlichkeit integrativer Entwurfsmethoden, die auf einer experimentellen Analyse des Ortes als eines architektonischen Feldes beruhen, die nicht nur in der Lage ist, den Ort dem Bau anzupassen, sondern auch die vernetzte Realität des Ortes zur Erscheinung zu bringen. Wir werden von einem philosophischen Standpunkt aus über zeitgenössische Grundlagen einer experimentellen Ortsanalyse nachdenken, die wir im praktischen Teil auf spezifische Orte in Berlin anwenden werden.

Future Diagramming

SS 2021 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

The diagram has become an everyday notion of architectural language today. This mainstream use of the diagram is the paradoxical epilogue of a very recent history of the diagram, which was vehemently introduced in the 1980s but whose philosophical reflection seems to have disappeared from the daily practice. In reality, even if in design the diagrammatic practices seem to have fully entered the process of generation of forms with more or less representational and mimetic final products, it is possible to bring to light another tendency motivated by a critical and experimental vision of the diagram analyzing urban complexity and the multilayered ecology of architectural projects. Information and link

PIV Fields of Entanglement
Entwurfsprojekt Städtebau I (Kooperation mit Gastprof. Liss Werner)

SS 2021 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

Lecturers: Dr. Lidia Gasperoni, Klaus Platzgrummer, MSc ETH Arch, M.A. (AA)

We will ask ourselves how we can understand our environment and our world, which seems overwhelmed by complexity. How can we translate that into concrete architectural and urban fields entanglement, which rethink our interaction with the environment? What media do we need to deploy for this endeavor? It is the aim of the PIV to embrace slowness and thoughtfulness within the disciplines of place-making. We will think, read, diagram and catalogue.

Ernst-Thälmann-Park

Die Architektur des Anthropozän

WS 2020/2021 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

Das Anthropozän als „Zeitalter des Menschen“ bezeichnet die Zeitspanne der Erde, die von Menschen geprägt ist. Die Produktions- und Konsum-verfahren der Menschen verändern die Erde in ihren geologischen und atmosphärischen Strukturen zutiefst, bis hin zur Gefahr ihrer radikalen Transformation und Unzugänglichkeit durch den Klimawandel. Wie können wir in dieser kritischen Situation die Funktion der Entwerfenden neu denken? Was und wie sollte man konstruieren? Und ist das Bauen die einzige Aufgabe der entwerfenden ArchitektInnen?
Im Seminar werden wir nach der kritischen Einführung des Anthropozän-Begriffs diesen Fragen anhand der gemeinsamen Besprechung ausgewählter Literaturbeiträge widmen. Diese kritische Reflexion wird zugleich von der Anfertigung einer eigenen, experimentell-entwerferischen Dokumentation begleitet werden. Das Seminar wird online gehalten. Es wird nach der Einführung des Seminars um eine Bewerbung bis zum 6. November gebeten, die in Form eines kurzen Bewerbungsschreibens (1000 Zeichen), gegebenenfalls mit Bildern belegt, zur folgenden Frage zu verfassen ist: Was können Entwerfende jenseits der Planung?

ATMOSPHÄREN. Wie entstehen Atmosphären, und was implizieren sie in der Architektur?

SS 2019 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

Wenn es um die sinnliche Dimension der Architektur und die von ihr suggerierten Stimmungen angeht, ist das Wort Atmosphäre Alltagsbegriff der architektonischen Beschreibung. Aber was heißt es, in der Architektur eine Atmosphäre zu entwerfen und wahrzunehmen? Was sind die Kriterien ihrer Entstehung und Beschreibung? Woher kommt dieser Begriff? Wir werden im Seminar grundlegende Texte der Architektur, Philosophie und Architekturtheorie gemeinsam besprechen, architektonische Werke analysieren und Reflexionen von ArchitektInnen zur Atmosphäre untersuchen, um zu begreifen, welche Art von ästhetischer Dimension angesprochen wird, wenn von Atmosphären die Rede ist. Dabei werden auch die kritischen Aspekte einer Architektur thematisiert, die die Atmosphäre zum Kern ihrer Gestaltungspraxis macht.

ARCHITEKTUR ALS WISSENSPRAKTIK? EINE KRITISCHE THEORIE IN AUSEINANDERSETZUNG MIT ALDO ROSSIS SELBSTBIOGRAPHIE

WS 2018/2019 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

„Von einem bestimmten Punkt des Lebens an habe ich den Beruf oder die Kunst als eine Beschreibung von Dingen und unserer selbst angesehen“. Aldo Rossi

Im Seminar werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie ein Denkprozess in Form eines geschriebenen Textes über die eigene Architekturtheorie und -praxis und deren Einbettung in die Architekturgeschichte als Wissenspraktik definiert werden kann. Als Anlass dazu wird die Wissenschaftliche Selbstbiographie dienen, in der Aldo Rossi eine fragmentarisch-programmatische Reflexion über seine eigene Architekturtheorie und -praxis entfaltet, die eine Synthesis von Erinnerungen, räumlichen Erfahrungen und Betrachtungen alltäglicher Dinge darstellt. Dieses Werk gewährt somit einerseits einen persönlichen Einblick in die Praxis seines Denkens. Anderseits stellt es uns vor eine viel allgemeinere Frage: wie es möglich ist, Denkpraktiken als Wissenspraktiken zu definieren. Auf diese Weise kann zugleich Rossis Bezeichnung seiner Selbstbiographie als „wissenschaftlich“ thematisiert werden. Das Seminar verfolgt drei Ziele: Erstens die Einführung in die Architekturtheorie Aldo Rossis, zweitens die Untersuchung der formalen Grundprinzipien seiner Architektur, drittens die Reflexion über die Definition der Architektur als Wissenspraktik anhand von ergänzenden Texten aus der Architekturphilosophie.

MATERIALITÄT HEUTE: ARCHITEKTUR ZWISCHEN EPHEMERER UND MASSIVER ERSCHEINUNG

SS 2018 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie

Im Zeitalter der Digitalisierung erlebt der Raum eine radikale Transformation: In der Geschwindigkeit der Telekommunikation und der ständigen Vernetzung scheint der Raum fast zu verschwinden und – wie Vilém Flusser und Paul Virilio in den 90er Jahren beobachteten – sich zu entmaterialisieren. Die Architektur kann diesen Veränderungen folgen, sie neu interpretieren oder ihnen widerstehen. Im Seminar werden wir untersuchen, wie die Architektur Wahrnehmungsartefakte hervorbringt, die den Raum materialisieren und auf unseren Umgang mit Räumlichkeit einwirken.

Genauer werden wir zwei Extreme der zeitgenössischen Architektur gemeinsam analysieren und ihre Wurzeln in der philosophischen und kulturkritischen Reflexion von Foucault, Flusser, Virilio vertiefen: Einerseits werden wir uns mit zeitgenössischen ephemeren Bauweisen der Architektur beschäftigen, wie sie vor allem in den pneumatischen Strukturen temporärer Installationen von Plastique Fantastique und Raumlabor wiederzufinden sind. Auf der anderen Seite werden wir die monolithische Bauweise und die Erscheinung massiver Bauten besprechen, die heute auch in der Brutalismusdebatte eine Rolle spielen

DIAGRAMMATISCH ENTWERFEN

SS 2018 Universität Kassel, Fachgebiet für Architekturtheorie und Entwerfen

Das Diagramm hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem für den architektonischen Entwurfsprozess konstitutiven, generativen Medium entwickelt und ist somit zu einem Alltagsbegriff des Entwurfs geworden. Das Ziel des Seminars ist es, gemeinsam zu untersuchen, wie sich das Diagramm im architektonischen Entwurf etabliert hat und Architekturbüros wie UNStudio, Tschumi, Eisenman, Zaha Hadid, NOX, FOA zur Transformation von Typologien, Gestalten und Modellen dient. Im Seminar werden wir die theoretischen und praktischen Entstehungsgründe des Diagrammbegriffs, seine prominentesten Anwendungen in der Architektur und seine weiterhin relevanten Funktionen anhand der Lektüre von Texten und der gemeinsamen Analyse von Entwurfsprozessen untersuchen.

Vom Repräsentationalismus zur Performativität für ein neues Verständnis von Medialität, Gestaltung und Materie

SS 2018 UDK

Wie ist heute Materialität in den Gestaltungspraktiken und in den Naturwissenschaften zu verstehen? Die Forschung von Karen Barad zählt zu den Versuchen, die Performativitätstheorie in der Wechselwirkung zwischen Medialität und Materialität fruchtbar zu machen. Denn Barad plädiert für einen Paradigmenwechsel sowohl in der Physik als auch in der Philosophie, der die intrinsische Verbindung von Theorie und Praxis und zugleich einen neuen Sinn der Materialisierung aufzeigt: Theorie und Praxis als eng verbundene Dimensionen des Lebens erfordern heute nach Barad eine Verschiebung von der Repräsentation hin zur Performativität. Diese Verschiebung impliziert gleichzeitig eine neue Auffassung von Objektivität, die den genetischen und materiellen Charakter jeder Repräsentation betrifft. Im Seminar werden wir zuerst den Performativitäts-Begriff einführen, um dann den Ansatz von Karen Barad interdisziplinär zu untersuchen und schließlich über eine mögliche Anwendung ihres Performativitätsansatzes auf Gestaltungspraktiken zu diskutieren. Das Seminar richtet sich an Studierende aus allen Fachbereichen und wird von der Zusammenarbeit zwischen Gestaltungsdisziplinen, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften profitieren.

NETZRAUM           

WS 2017/2018 Universität Kassel, Fachgebiet für Architekturtheorie und Entwerfen

Welche Raumgestaltung entspricht unserem Zeitgeist? Architektur gestaltet mit ihren Bauten unsere Umwelt, schafft neue Dispositive der Raumwahrnehmung und erzeugt soziale Handlungsorte. Philosophie versucht Raum zu begreifen, das Wesen seiner Gestaltung durch unterschiedliche Praktiken zu reflektieren und wird damit wiederum zur Inspirationsquelle für Architekten. Philosophie und Architektur sind somit historisch, theoretisch und praktisch aufeinander verwiesen. Im Seminar werden wir die moderne Definition des Raumes als Netz sowie Ansätze zu einer kulturkritischen Architektur behandeln, wie sie sich seit den 90er Jahren zwischen den zwei Grenzfällen einer Architektur einerseits als Blasenstruktur, andererseits als Bunker entfaltet haben. Gemeinsam werden wir insbesondere Vorschläge für eine konkrete Raumgestaltung analysieren, die Vilém Flusser und Paul Virilio in diesem Kontext entwickelt haben. Im Seminar werden wir anhand der Lektüre ausgewählter Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden und der gemeinsamen Diskussion von Beispielen aus der Architektur diese Polarisierung zwischen Blasen- und Bunkerarchitektur untersuchen.

Philosophie der Wahrnehmung und Theorie der Repräsentation. Eine Einführung

WS 2017/2018 TU BERLIN – Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Wie entstehen aus dem Reichtum sinnlicher Eindrücke Vorstellungen von Gegenständen, und wie bezieht sich unser Denken auf die Gegenstände selbst? Die Relationen zwischen Realität, Sinnlichkeit und Denken haben seit ihren Anfängen die Philosophie geprägt und in mancher Hinsicht sogar ihre Entstehung motiviert. Das Seminar versteht sich als Einführung in die Philosophie der Wahrnehmung. Dabei werden die wichtigsten Ansätze in der Wahrnehmungsphilosophie von Leibniz bis zur Gegenwart behandelt und anhand der Problematik der Repräsentation hinterfragt. Der Begriff der Repräsentation erlaubt es, die Frage nach einem Dualismus zwischen Denken und Sinnlichkeit sowie die Möglichkeit ästhetischer Erkenntnis zu thematisieren und anhand der Lektüre philosophischer Grundlagentexte gemeinsam zu diskutieren.

ARCHITEKTUR DES BUCHES

SS 2017 Kooperationsprojekt zwischen Roundabout e.V. und dem Fachgebiet für Architekturtheorie)

Architektur und Bücher sind eng verbunden. Das Buch als Medium dient dazu, gebaute Architektur, ihre Entstehungsprozesse und möglichen Transformationen zu präsentieren,
zu thematisieren und zu reflektieren. Bücher haben für die Architektur nicht nur illustrative Funktion; sie sind mit der komplexen Aufgabe konfrontiert, ihrer vielschichtigen Geschichte, ihrer kreativen Reflexion und ihrer materiellen Realisierung eine neue Gestalt zu verleihen, um so die Originalität von praktischen Projekten und Theorien zu verbreiten.
Das Blockseminar wird Theorie und Praxis der Buchgestaltung verbinden. Durch verschiedene Inputs von Philipp Meuser, Kassandra Nakas, Sandra Meireis und Lidia Gasperoni werden einige paradigmatische Fälle der Buchgestaltung in der Architektur präsentiert, um das kreative Potential der Buchgestaltung in der Architektur zu thematisieren. Parallel dazu zielt das
Blockseminar auf die Realisierung eines konkreten Buchprojekts zur Funktion der Diagramme im architektonischen Entwerfen, das im Fachgebiet für Architekturtheorie entstanden ist und in Kooperation mit dem Roundabout e.V. gedruckt wird. Die Studierenden werden in die Verwendung des Risographen eingeführt und am Druckprozess teilhaben.

Figuration, Diagramm und Analogie. Gilles Deleuzes Francis Bacon. Logik der Sensation

SS 2017 TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Das Buch „Francis Bacon–Logik der Sensation“ ist ein exemplarischer Versuch, eine philosophische Ästhetik anhand der Beschreibung der Werke eines einzigen Künstlers zu entwerfen. Bei der Entfaltung der vielschichtigen Arbeit von Bacon, entwickelt Deleuze eine philosophische Reflexion übe r die Verbindung zwischen Malerei, Wahrnehmung und Denken, die über die einzelnen Werke hinausgehen und sich der allgemeinen Problematik der Medialität und der Materialität der Kunst widmet. Im Zentrum des Seminars wird die Lektüre des Buchs stehen, das sowohl durch die Werke von Bacon als auch durch Deleuzes Bezugnahmen auf Merleau-Ponty, Foucault, Peirce und Greenberg untersucht wird. Daher kann die Logik der Sensation als Einführung in die Philosophie Gilles Deleuzes gelten.

Grundgedanken einer Philosophie der Räumlichkeit

WS 2016/2017 TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Räumlichkeit ist in der Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart thematisiert worden und ist seit dem sogenannten spatial turn in den 80er Jahren zu einem Kernbegriff der Geisteswissenschaften geworden. Er prägt den interdisziplinären Austausch etwa zwischen Philosophie und Architektur, Soziologie und Ästhetik, Kulturkritik und Literaturwissenschaften. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Wandlung des Räumlichkeitsbegriffs in der Philosophie von der Neuzeit bis zur Gegenwart. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Besprechung paradigmatischer Beispiele aus Kunst und Architektur werden wir gemeinsam die unterschiedlichen Perspektiven herausarbeiten, aus denen Räumlichkeit in der Philosophie beleuchtet worden ist, und diskutieren, welche Konsequenzen daraus für die künstlerische Praxis gezogen werden können.

Einführung in die Philosophie der Architektur

SS 2016 TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Architektur konstituiert mit ihren Bauten unsere Umwelt, schafft dabei eine neue Wahrnehmung der Realität und bildet neue soziale Konstellationen. Philosophie versucht das Wesen einer solchen Gestaltung zu verstehen und dadurch wird sie wiederum eine Inspirationsquelle für Architekten. Philosophie und Architektur sind vielschichtig verstrickt. Im Seminar werden wir gemeinsam anhand der Lektüre ausgewählter Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion von Beispielen aus der Architektur unterschiedliche Themen untersuchen, die für die praktische und theoretische Wechselwirkung von Philosophie und Architektur paradigmatisch sind.

Wir werden zunächst philosophische und architektonische Utopien in Betracht ziehen. Platon und Campanella haben ihre politische Ideale mit dem Entwurf neuer Städte verbunden, und viele der berühmten philosophischen Utopien wären ohne den Bezug auf die Architektur nicht vorstellbar gewesen. Architektur ist somit zur Metapher für die Strukturierung vom Denken geworden, das in der räumlichen Versinnlichung zugänglich und konkreter wird. Architektonische Entwürfe für neue Städte wiederum, wie die Hochhausstadt von Hilberseimer, der Plan Voisin for Paris von Le Corbusier, das Projekt Walking City von Ron Herron stellten Visionen für eine neue soziale und politische Organisation dar, deren kulturelle Implikationen philosophisch weitergedacht werden können. Durch den direkten Bezug von Architekten auf die Philosophie und von Philosophen auf die Architektur werden wir diese Wechselwirkung näher untersuchen. Für den ersten Fall ist die zentrale Rolle paradigmatisch, die Gilles Deleuze in der Architektur der letzten drei Jahrzehnten gespielt hat, während der Bezug von Michel Foucault auf das Panopticum von Jeremy Bentham den zweiten Aspekt anspricht. Wir werden uns auf Philosophen wie Kant, Foucault, Deleuze und Derrida und auf Architekten wie Bentham, Lars Spuybroek (NOX), Peter Eisenman, Zaha Hadid beziehen. Schließlich werden wir die Aufgabe der Philosophie der Architektur klarer herausarbeiten, die keine Theorie der Architektur und gleichzeitig kein abstraktes Programm für konkrete Architekturen, sondern ein eigenes Bereich der philosophischen Reflexion sein will, die sich dem Sinn der architektonischen Gestaltung und den Möglichkeiten ihrer Entfaltung widmet.

KONTUREN

SS 2016 Lehrforschungsprojekt zur Dynamik der visuellen Raumwahrnehmung (in Kooperation mit Prof. Matthias Ballestrem)

Für die Wahrnehmung sind Konturen Indikatoren der räumlichen Transformation unserer Umgebung. Aus den wahrgenommenen Konturen konstruiert sich unser visuelles System eine Vorstellung von der Geometrie der dazugehörigen Räume und unserer Position darin. Wie unser visuelles System Raum wahrnimmt und welche Auswirkung diese kognitiven Verarbeitungsmechanismen auf unser Denken und Handeln haben, wird in den letzten Jahren unter anderem in Psychologie, Neurowissenschaft und Philosophie intensiv erforscht und diskutiert. Insbesondere für die Architektur – das Entwerfen wie auch das Lesen von Raum – sind diese Erkenntnisse von Bedeutung. Das Lehrforschungsprojekt Konturen bietet einen Rahmen für eine ergebnisoffene Beschäftigung mit diesem Themengebiet. Durch Inputs wird in das wissenschaftliche Arbeiten eingeführt und relevante Themen vorgestellt, die zu einer individuellen Themenfindung führen sollen: Im Raum sein (Einfühlung und Raumtheorie, Physiologie) Wahrnehmung als Interpretation (Gestaltpsychologie) Gestaltung als Spiel mit Wahrnehmungskräften (Rudolf Arnheim) Expertise und implizites Wahrnehmen (ein Blick in die heutige Psychologie und Neurowissenschaften) Morphologie (Ähnlichkeit, Variation, Verwandtschaft von Form und Struktur).

MEDIALE METAMORPHOSEN

WS 2015/2016 TU Berlin, Fachgebiet für Architekturdarstellung und Gestaltung

Ziel des Seminars ist es, gemeinsam zu untersuchen, wie Medien Raum erzeugen und verändern. Soll darstellende Geometrie nicht auf die mechanische Beherrschung von Techniken reduziert werden, dann bedeutet dies, die Darstellung selbst als kreativen Prozess zu begreifen, der kraft Medien Raum erst schafft und in seiner Wandelbarkeit wahrnimmt. Dabei wollen wir gemeinsam anhand von räumlichen Interventionen und der Lektüre ausgewählter Texte und medialer Praktiken untersuchen, inwieweit Medien keine neutrale Werkzeuge der räumlichen Darstellung, sondern im Gegenteil die Metamorphosen des Raumes überhaupt erst ermöglichen. Wir werden zusammen mit Studenten, Architekten, Künstlern und Forschern die ständige Wandlung des Raumes durch Medien wie Bilder, Diagramme, Texte, Modelle, Zeichnungen im Analogen wie im Digitalen untersuchen.

DIAGRAMM UND ENTWURF

SS 2015 TU Berlin, Fachgebiet Architekturtheorie in Kooperation mit Prof. Jörg Gleiter)

Als wiederkehrendes Element spielen Diagramme eine wichtige Rolle im kreativen Prozess des Entwurfs. In ihnen sind Praxis und Theorie eng miteinander verbunden. Aber ist die Architektur immer schon diagrammatisch gewesen? Oder sollte man nicht von einer spezifisch diagrammatischen Architektur, wie sie zu Beginn der 1920er Jahre entstanden ist und sich über Postmoderne, Dekonstruktivismus und computational design bis heute in der Transformation ihrer diagrammatischen Techniken etabliert hat? Das Seminar widmet sich unterschiedlichen Funktionen des Diagramms – zunächst als einem Medium der Architektur und anschließend einer Architektur, die es zum privilegierten Werkzeug des Entwurfs erhoben hat. Die unterschiedlichen Erscheinungsarten, Funktionen und Anwendungsweisen des Diagramms werden im Seminar durch die Lektüre ausgewählter Texte, die Analyse von Entwurfsprozessen und durch praktische Übungen beleuchtet.

Einführung in die Medienphilosophie

SS 2015 TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Medien sind unhintergehbare Bedingungen der Gestaltung von Bedeutung. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Frage, wie Medien zur Mitteilung und Formation von Denken, Wissen und Kunst beitragen. Wir werden insbesondere untersuchen, inwieweit schon seit der Antike das Medium nicht als praktisches Mittel, sondern als ein notwendiges Drittes angesehen wird, das Bedingung der Entstehung von Bedeutung in vielfältiger Form ist. Dazu werden wir die Ausdifferenzierung von Medien und insbesondere die Unterscheidung zwischen vermeintlich klassischen und neuen Medien näher behandeln. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion paradigmatischer Beispiele der Anwendung von Medien werden wir gemeinsam herausarbeiten, inwiefern Wahrnehmung, Denken und Ausdruck Medien erfordern.

Fiktionalität im Verhältnis von Idealität und Realität

WS 2014/2015, TU Berlin, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Viele der Begriffe, die unser Denken und unsere Vorstellung prägen, sind nicht empirisch abzuleiten und trotzdem konsistent, weshalb durch sie fiktive Gegenstände entstehen können. Literarische Werke, architektonische Bauten, figurative Gestalten können auch als Produkte der Einbildungskraft, als rein intentionale Gegenstände angesehen werden, die auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zur Realität haben. Fiktive Begriffe – wie etwa die imaginären Zahlen bei Leibniz – können jedoch als methodische Mittel des Denkens gelten und zur Bildung von Theorien dienen. Fiktion wird dann zum Schlüsselbegriff, wenn der Unterschied zwischen Idealismus und Realismus zur Debatte steht, wie es sich bei der Kritik Salomon Maimons an der Kantischen Auffassung der ›Realität‹ von Ideen und bei der Untersuchung literarischer Fiktionen zeigt, wie Roman Ingarden sie als Antwort auf die idealistische Wende Husserls entwickelt. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studenten verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion paradigmatischer fiktionaler Beispiele aus der Kunst und Architektur werden wir die systematische Bedeutung des Fiktions-Begriffs untersuchen.