Philosophy Seminars

UDK BERLIN

SS 2018 Vom Repräsentationalismus zur Performativität für ein neues Verständnis von Medialität, Gestaltung und Materie (Hardenbergstr. 33, Raum 336, Termine: 28. April 10.00-14.00, 26. Mai 10.00-18.00, 16. Juni 10.00-18.00, 7. Juli 10.00-18.00)

Wie ist heute Materialität in den Gestaltungspraktiken und in den Naturwissenschaften zu verstehen? Die Forschung von Karen Barad zählt zu den Versuchen, die Performativitätstheorie in der Wechselwirkung zwischen Medialität und Materialität fruchtbar zu machen. Denn Barad plädiert für einen Paradigmenwechsel sowohl in der Physik als auch in der Philosophie, der die intrinsische Verbindung von Theorie und Praxis und zugleich einen neuen Sinn der Materialisierung aufzeigt: Theorie und Praxis als eng verbundene Dimensionen des Lebens erfordern heute nach Barad eine Verschiebung von der Repräsentation hin zur Performativität. Diese Verschiebung impliziert gleichzeitig eine neue Auffassung von Objektivität, die den genetischen und materiellen Charakter jeder Repräsentation betrifft.                                                         Im Seminar werden wir zuerst den Performativitäts-Begriff einführen, um dann den Ansatz von Karen Barad interdisziplinär zu untersuchen und schließlich über eine mögliche Anwendung ihres Performativitätsansatzes auf Gestaltungspraktiken zu diskutieren. Das Seminar richtet sich an Studierende aus allen Fachbereichen und wird von der Zusammenarbeit zwischen Gestaltungsdisziplinen, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften profitieren.


TU BERLIN – Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

WS 2017/2018 Philosophie der Wahrnehmung und Theorie der Repräsentation. Eine Einführung (Raum H 0112, 12.00-14.00, Beginn: 17.10.2017)

Wie entstehen aus dem Reichtum sinnlicher Eindrücke Vorstellungen von Gegenständen, und wie bezieht sich unser Denken auf die Gegenstände selbst? Die Relationen zwischen Realität, Sinnlichkeit und Denken haben seit ihren Anfängen die Philosophie geprägt und in mancher Hinsicht sogar ihre Entstehung motiviert. Das Seminar versteht sich als Einführung in die Philosophie der Wahrnehmung. Dabei werden die wichtigsten Ansätze in der Wahrnehmungsphilosophie von Leibniz bis zur Gegenwart behandelt und anhand der Problematik der Repräsentation hinterfragt. Der Begriff der Repräsentation erlaubt es, die
Frage nach einem Dualismus zwischen Denken und Sinnlichkeit sowie die Möglichkeit ästhetischer Erkenntnis zu thematisieren und anhand der Lektüre philosophischer Grundlagentexte gemeinsam zu diskutieren.

SS 2017 Figuration, Diagramm und Analogie. Gilles Deleuzes Francis Bacon. Logik der Sensation

Das Buch „Francis Bacon–Logik der Sensation“ ist ein exemplarischer Versuch, eine philosophische Ästhetik anhand der Beschreibung der Werke eines einzigen Künstlers zu entwerfen. Bei der Entfaltung der vielschichtigen Arbeit von Bacon, entwickelt Deleuze eine philosophische Reflexion übe r die Verbindung zwischen Malerei, Wahrnehmung und Denken, die über die einzelnen Werke hinausgehen und sich der allgemeinen Problematik der Medialität und der Materialität der Kunst widmet. Im Zentrum des Seminars wird die Lektüre des Buchs stehen, das sowohl durch die Werke von Bacon als auch durch Deleuzes Bezugnahmen auf Merleau-Ponty, Foucault, Peirce und Greenberg untersucht wird. Daher kann die Logik der Sensation als Einführung in die Philosophie Gilles Deleuzes gelten.


WS 2016/2017 Grundgedanken einer Philosophie der Räumlichkeit

Räumlichkeit ist in der Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart thematisiert worden und ist seit dem sogenannten spatial turn in den 80er Jahren zu einem Kernbegriff der Geisteswissenschaften geworden. Er prägt den interdisziplinären Austausch etwa zwischen Philosophie und Architektur, Soziologie und Ästhetik, Kulturkritik und Literaturwissenschaften. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Wandlung des Räumlichkeitsbegriffs in der Philosophie von der Neuzeit bis zur Gegenwart. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Besprechung paradigmatischer Beispiele aus Kunst und Architektur werden wir gemeinsam die unterschiedlichen Perspektiven herausarbeiten, aus denen Räumlichkeit in der Philosophie beleuchtet worden ist, und diskutieren, welche Konsequenzen daraus für die künstlerische Praxis gezogen werden können.


SS 2016 Einführung in die Philosophie der Architektur

Architektur konstituiert mit ihren Bauten unsere Umwelt, schafft dabei eine neue Wahrnehmung der Realität und bildet neue soziale Konstellationen. Philosophie versucht das Wesen einer solchen Gestaltung zu verstehen und dadurch wird sie wiederum eine Inspirationsquelle für Architekten. Philosophie und Architektur sind vielschichtig verstrickt. Im Seminar werden wir gemeinsam anhand der Lektüre ausgewählter Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion von Beispielen aus der Architektur unterschiedliche Themen untersuchen, die für die praktische und theoretische Wechselwirkung von Philosophie und Architektur paradigmatisch sind.

Wir werden zunächst philosophische und architektonische Utopien in Betracht ziehen. Platon und Campanella haben ihre politische Ideale mit dem Entwurf neuer Städte verbunden, und viele der berühmten philosophischen Utopien wären ohne den Bezug auf die Architektur nicht vorstellbar gewesen. Architektur ist somit zur Metapher für die Strukturierung vom Denken geworden, das in der räumlichen Versinnlichung zugänglich und konkreter wird. Architektonische Entwürfe für neue Städte wiederum, wie die Hochhausstadt von Hilberseimer, der Plan Voisin for Paris von Le Corbusier, das Projekt Walking City von Ron Herron stellten Visionen für eine neue soziale und politische Organisation dar, deren kulturelle Implikationen philosophisch weiter gedacht werden können. Durch den direkten Bezug von Architekten auf die Philosophie und von Philosophen auf die Architektur werden wir diese Wechselwirkung näher untersuchen. Für den ersten Fall ist die zentrale Rolle paradigmatisch, die Gilles Deleuze in der Architektur der letzten drei Jahrzehnten gespielt hat, während der Bezug von Michel Foucault auf das Panopticum von Jeremy Bentham den zweiten Aspekt anspricht. Wir werden uns auf Philosophen wie Kant, Foucault, Deleuze und Derrida und auf Architekten wie Bentham, Lars Spuybroek (NOX), Peter Eisenman, Zaha Hadid beziehen. Schließlich werden wir die Aufgabe der Philosophie der Architektur klarer herausarbeiten, die keine Theorie der Architektur und gleichzeitig kein abstraktes Programm für konkrete Architekturen, sondern ein eigenes Bereich der philosophischen Reflexion sein will, die sich dem Sinn der architektonischen Gestaltung und den Möglichkeiten ihrer Entfaltung widmet.


SS 2015 Einführung in die Medienphilosophie

Medien sind unhintergehbare Bedingungen der Gestaltung von Bedeutung. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Frage, wie Medien zur Mitteilung und Formation von Denken, Wissen und Kunst beitragen. Wir werden insbesondere untersuchen, inwieweit schon seit der Antike das Medium nicht als praktisches Mittel, sondern als ein notwendiges Drittes angesehen wird, das Bedingung der Entstehung von Bedeutung in vielfältiger Form ist. Dazu werden wir die Ausdifferenzierung von Medien und insbesondere die Unterscheidung zwischen vermeintlich klassischen und neuen Medien näher behandeln. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion paradigmatischer Beispiele der Anwendung von Medien werden wir gemeinsam herausarbeiten, inwiefern Wahrnehmung, Denken und Ausdruck Medien erfordern.


WS 2014/2015 Fiktionalität im Verhältnis von Idealität und Realität

Viele der Begriffe, die unser Denken und unsere Vorstellung prägen, sind nicht empirisch abzuleiten und trotzdem konsistent, weshalb durch sie fiktive Gegenstände entstehen können. Literarische Werke, architektonische Bauten, figurative Gestalten können auch als Produkte der Einbildungskraft, als rein intentionale Gegenstände angesehen werden, die auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zur Realität haben. Fiktive Begriffe – wie etwa die imaginären Zahlen bei Leibniz – können jedoch als methodische Mittel des Denkens gelten und zur Bildung von Theorien dienen. Fiktion wird dann zum Schlüsselbegriff, wenn der Unterschied zwischen Idealismus und Realismus zur Debatte steht, wie es sich bei der Kritik Salomon Maimons an der Kantischen Auffassung der ›Realität‹ von Ideen und bei der Untersuchung literarischer Fiktionen zeigt, wie Roman Ingarden sie als Antwort auf die idealistische Wende Husserls entwickelt. Anhand der Lektüre ausgewählter philosophischer Texte, der aktiven Teilnahme von Studenten verschiedener Fachgebiete und der gemeinsamen Diskussion paradigmatischer fiktionaler Beispiele aus der Kunst und Architektur werden wir die systematische Bedeutung des Fiktions-Begriffs untersuchen.