Architectural Theory Seminars

SS 2019 ATMOSPHÄREN                                                                                                                                                     (TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie), Dienstag 09.04.2019, Raum A 201a, 14 Uhr

Wie entstehen Atmosphären, und was implizieren sie in der Architektur?

Wenn es um die sinnliche Dimension der Architektur und die von ihr suggerierten Stimmungen angeht, ist das Wort Atmosphäre Alltagsbegriff der architektonischen Beschreibung. Aber was heißt es, in der Architektur eine Atmosphäre zu entwerfen und wahrzunehmen? Was sind die Kriterien ihrer Entstehung und Beschreibung? Woher kommt dieser Begriff? Wir werden im Seminar grundlegende Texte der Architektur, Philosophie und Architekturtheorie gemeinsam besprechen, architektonische Werke analysieren und Reflexionen von ArchitektInnen zur Atmosphäre untersuchen, um zu begreifen, welche Art von ästhetischer Dimension angesprochen wird, wenn von Atmosphären die Rede ist. Dabei werden auch die kritischen Aspekte einer Architektur thematisiert, die die Atmosphäre zum Kern ihrer Gestaltungspraxis macht.


WS 2018/2019 ARCHITEKTUR ALS WISSENSPRAKTIK? EINE KRITISCHE THEORIE IN AUSEINANDERSETZUNG MIT ALDO ROSSIS SELBSTBIOGRAPHIE (TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie)

„Von einem bestimmten Punkt des Lebens an habe ich den Beruf oder die Kunst als eine Beschreibung von Dingen und unserer selbst angesehen“. Aldo Rossi

Im Seminar werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie ein Denkprozess in Form eines geschriebenen Textes über die eigene Architekturtheorie und -praxis und deren Einbettung in die Architekturgeschichte als Wissenspraktik definiert werden kann. Als Anlass dazu wird die Wissenschaftliche Selbstbiographie dienen, in der Aldo Rossi eine fragmentarisch-programmatische Reflexion über seine eigene Architekturtheorie und -praxis entfaltet, die eine Synthesis von Erinnerungen, räumlichen Erfahrungen und Betrachtungen alltäglicher Dinge darstellt. Dieses Werk gewährt somit einerseits einen persönlichen Einblick in die Praxis seines Denkens. Anderseits stellt es uns vor eine viel allgemeinere Frage: wie es möglich ist, Denkpraktiken als Wissenspraktiken zu definieren. Auf diese Weise kann zugleich Rossis Bezeichnung seiner Selbstbiographie als „wissenschaftlich“ thematisiert werden. Das Seminar verfolgt drei Ziele: Erstens die Einführung in die Architekturtheorie Aldo Rossis, zweitens die Untersuchung der formalen Grundprinzipien seiner Architektur, drittens die Reflexion über die Definition der Architektur als Wissenspraktik anhand von ergänzenden Texten aus der Architekturphilosophie.


SS 2018 MATERIALITÄT HEUTE: ARCHITEKTUR ZWISCHEN EPHEMERER UND MASSIVER ERSCHEINUNG (TU Berlin, Fachgebiet für Architekturtheorie)

Im Zeitalter der Digitalisierung erlebt der Raum eine radikale Transformation: In der Geschwindigkeit der Telekommunikation und der ständigen Vernetzung scheint der Raum fast zu verschwinden und – wie Vilém Flusser und Paul Virilio in den 90er Jahren beobachteten – sich zu entmaterialisieren. Die Architektur kann diesen Veränderungen folgen, sie neu interpretieren oder ihnen widerstehen. Im Seminar werden wir untersuchen, wie die Architektur Wahrnehmungsartefakte hervorbringt, die den Raum materialisieren und auf unseren Umgang mit Räumlichkeit einwirken.

 

Genauer werden wir zwei Extreme der zeitgenössischen Architektur gemeinsam analysieren und ihre Wurzeln in der philosophischen und kulturkritischen Reflexion von Foucault, Flusser, Virilio vertiefen: Einerseits werden wir uns mit zeitgenössischen ephemeren Bauweisen der Architektur beschäftigen, wie sie vor allem in den pneumatischen Strukturen temporärer Installationen von Plastique Fantastique und Raumlabor wiederzufinden sind. Auf der anderen Seite werden wir die monolithische Bauweise und die Erscheinung massiver Bauten besprechen, die heute auch in der Brutalismusdebatte eine Rolle spielen.


SS 2018 DIAGRAMMATISCH ENTWERFEN (Universität Kassel, Fachgebiet für Architekturtheorie und Entwerfen)

Das Diagramm hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem für den architektonischen Entwurfsprozess konstitutiven, generativen Medium entwickelt und ist somit zu einem Alltagsbegriff des Entwurfs geworden. Das Ziel des Seminars ist es, gemeinsam zu untersuchen, wie sich das Diagramm im architektonischen Entwurf etabliert hat und Architekturbüros wie UNStudio, Tschumi, Eisenman, Zaha Hadid, NOX, FOA zur Transformation von Typologien, Gestalten und Modellen dient. Im Seminar werden wir die theoretischen und praktischen Entstehungsgründe des Diagrammbegriffs, seine prominentesten Anwendungen in der Architektur und seine weiterhin relevanten Funktionen anhand der Lektüre von Texten und der gemeinsamen Analyse von Entwurfsprozessen untersuchen.


WS 2017/2018 NETZRAUM ZWISCHEN BLASEN- UND BUNKERARCHITEKTUR                 (Universität Kassel, Fachgebiet für Architekturtheorie und Entwerfen, Beginn 27.10.2017 Raum 3108, Universitätsplatz 9).

Welche Raumgestaltung entspricht unserem Zeitgeist? Architektur gestaltet mit ihren Bauten unsere Umwelt, schafft neue Dispositive der Raumwahrnehmung und erzeugt soziale Handlungsorte. Philosophie versucht Raum zu begreifen, das Wesen seiner Gestaltung durch unterschiedliche Praktiken zu reflektieren und wird damit wiederum zur Inspirationsquelle für Architekten. Philosophie und Architektur sind somit historisch, theoretisch und praktisch aufeinander verwiesen. Im Seminar werden wir die moderne Definition des Raumes als Netz sowie Ansätze zu einer kulturkritischen Architektur behandeln, wie sie sich seit den 90er Jahren zwischen den zwei Grenzfällen einer Architektur einerseits als Blasenstruktur, andererseits als Bunker entfaltet haben. Gemeinsam werden wir insbesondere Vorschläge für eine konkrete Raumgestaltung analysieren, die Vilém Flusser und Paul Virilio in diesem Kontext entwickelt haben. Im Seminar werden wir anhand der Lektüre ausgewählter Texte, der aktiven Teilnahme von Studierenden und der gemeinsamen Diskussion von Beispielen aus der Architektur diese Polarisierung zwischen Blasen- und Bunkerarchitektur untersuchen.


SS 2017 ARCHITEKTUR DES BUCHES (Kooperationsprojekt zwischen Roundabout e.V. und dem Fachgebiet für Architekturtheorie)

Architektur und Bücher sind eng verbunden. Das Buch als Medium dient dazu, gebaute Architektur, ihre Entstehungsprozesse und möglichen Transformationen zu präsentieren,
zu thematisieren und zu reflektieren. Bücher haben für die Architektur nicht nur illustrative Funktion; sie sind mit der komplexen Aufgabe konfrontiert, ihrer vielschichtigen Geschichte, ihrer kreativen Reflexion und ihrer materiellen Realisierung eine neue Gestalt zu verleihen, um so die Originalität von praktischen Projekten und Theorien zu verbreiten.
Das Blockseminar wird Theorie und Praxis der Buchgestaltung verbinden. Durch verschiedene Inputs von Philipp Meuser, Kassandra Nakas, Sandra Meireis und Lidia Gasperoni werden einige paradigmatische Fälle der Buchgestaltung in der Architektur präsentiert, um das kreative Potential der Buchgestaltung in der Architektur zu thematisieren. Parallel dazu zielt das
Blockseminar auf die Realisierung eines konkreten Buchprojekts zur Funktion der Diagramme im architektonischen Entwerfen, das im Fachgebiet für Architekturtheorie entstanden ist und in Kooperation mit dem Roundabout e.V. gedruckt wird. Die Studierenden werden in die Verwendung des Risographen eingeführt und am Druckprozess teilhaben.


SS 2016 KONTUREN Lehrforschungsprojekt zur Dynamik der visuellen Raumwahrnehmung (in Kooperation mit Prof. Matthias Ballestrem)

Für die Wahrnehmung sind Konturen Indikatoren der räumlichen Transformation unserer Umgebung. Aus den wahrgenommenen Konturen konstruiert sich unser visuelles System eine Vorstellung von der Geometrie der dazugehörigen Räume und unserer Position darin. Wie unser visuelles System Raum wahrnimmt und welche Auswirkung diese kognitiven Verarbeitungsmechanismen auf unser Denken und Handeln haben, wird in den letzten Jahren unter anderem in Psychologie, Neurowissenschaft und Philosophie intensiv erforscht und diskutiert. Insbesondere für die Architektur – das Entwerfen wie auch das Lesen von Raum – sind diese Erkenntnisse von Bedeutung. Das Lehrforschungsprojekt Konturen bietet einen Rahmen für eine ergebnisoffene Beschäftigung mit diesem Themengebiet. Durch Inputs wird in das wissenschaftliche Arbeiten eingeführt und relevante Themen vorgestellt, die zu einer individuellen Themenfindung führen sollen: Im Raum sein (Einfühlung und Raumtheorie, Physiologie) Wahrnehmung als Interpretation (Gestaltpsychologie) Gestaltung als Spiel mit Wahrnehmungskräften (Rudolf Arnheim) Expertise und implizites Wahrnehmen (ein Blick in die heutige Psychologie und Neurowissenschaften) Morphologie (Ähnlichkeit, Variation, Verwandtschaft von Form und Struktur).


WS 2015/2016 MEDIALE METAMORPHOSEN (Fachgebiet für Architekturdarstellung und Gestaltung)

Ziel des Seminars ist es, gemeinsam zu untersuchen, wie Medien Raum erzeugen und verändern. Soll darstellende Geometrie nicht auf die mechanische Beherrschung von Techniken reduziert werden, dann bedeutet dies, die Darstellung selbst als kreativen Prozess zu begreifen, der kraft Medien Raum erst schafft und in seiner Wandelbarkeit wahrnimmt. Dabei wollen wir gemeinsam anhand von räumlichen Interventionen und der Lektüre ausgewählter Texte und medialer Praktiken untersuchen, inwieweit Medien keine neutrale Werkzeuge der räumlichen Darstellung, sondern im Gegenteil die Metamorphosen des Raumes überhaupt erst ermöglichen. Wir werden zusammen mit Studenten, Architekten, Künstlern und Forschern die ständige Wandlung des Raumes durch Medien wie Bilder, Diagramme, Texte, Modelle, Zeichnungen im Analogen wie im Digitalen untersuchen.


SS 2015 DIAGRAMM UND ENTWURF (Fachgebiet Architekturtheorie in Kooperation mit Prof. Jörg Gleiter)

Als wiederkehrendes Element spielen Diagramme eine wichtige Rolle im kreativen Prozess des Entwurfs. In ihnen sind Praxis und Theorie eng miteinander verbunden. Aber ist die Architektur immer schon diagrammatisch gewesen? Oder sollte man nicht von einer spezifisch diagrammatischen Architektur, wie sie zu Beginn der 1920er Jahre entstanden ist und sich über Postmoderne, Dekonstruktivismus und computational design bis heute in der Transformation ihrer diagrammatischen Techniken etabliert hat?                                                                                              Das Seminar widmet sich unterschiedlichen Funktionen des Diagramms – zunächst als einem Medium der Architektur und anschließend einer Architektur, die es zum privilegierten Werkzeug des Entwurfs erhoben hat. Die unterschiedlichen Erscheinungsarten, Funktionen und Anwendungsweisen des Diagramms werden im Seminar durch die Lektüre ausgewählter Texte, die Analyse von Entwurfsprozessen und durch praktische Übungen beleuchtet.